Wer war der Namensgeber des Reitervereins?
Prinz Friedrich Sigismund von Preußen war der älteste Sohn des Prinzen Leopold von Preußen und seiner Frau Luise Sophie. Prinzessin von Schleswig-Holstein. Er wurde am 17.12.1891 im Jagdschloß K1.-Glienicke geboren. Mit achtzehn Jahren, nach bestandenem Offiziersexamen wurde er Leutnant im 1. Garde-Regiment in Potsdam. Aber schon 1912 wurde der passionierte Reiter Prinz Friedrich Sigismund von Preußen zum 2. Leibhusaren-Regiment in Danzig abkommandiert.

1913 hatte er seine ersten Turniererfolge in Leipzig. Auf seinem Besitz Glienicke bei Potsdam begründete er einen erstklassigen Turnierstall, aus dem hervorragende Trakehner wie "Heiliger Speer", "Preußenstolz" und "Schwertlied" hervorgingen.
Am 27. April 1916 heiratete er im Jagdschloß zu Glienicke Marie Luise Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, die als passionierte Reiterin viel Verständnis für die Passion ihres Mannes zeigte.

Im Jahr 1924 gewann er zehn Jagdspringen, sieben Dressurprüfungen, drei Vielseitigkeitsprüfungen, Geländeritte und 14 Eignungsprüfungen.

Als einen ganz besonderen Erfolg konnte man den ersten Platz in der "Großen Gebrauchsprüfung", einer internationalen Military, auf seinem Pferd "Heiliger Speer" beim Berliner Herbstturnier 1924 werten. Dieses Pferd entwickelte sich unter seinem Reiter zu einem der besten Vielseitigkeits- und Militarypferde.
So konnte er auch 1926 mit "Heiliger ,Speer" die internationale Military in Hilversum gegen stärkste Internationale Konkurrenz gewinnen.

1927, auf dem Concour-Hippique in Luzern, nahm er an der Olympiade- Vielseitigkeitsprüfung (Military), die höchste Anforderungen an Pferd und Reiter stellte, mit seinem Pferd "Heiliger Speer" teil und siegte überlegen. Doch die große Freude über seinen Sieg wurde später in tiefste Trauer verwandelt. Prinz Friedrich Sigismund von Preußen stürzte bei der Morgenarbeit mit dem Trakehner "Posidonius" bei einem Sprung über einen Wassergraben so unglücklich, dass er, trotz schneller Notoperation in Luzern, am 6. Juli 1927 starb. Am 12. Juli 1927 wurde er in der Familiengruft im Glienicker Park beigesetzt. An dieser Beisetzung nahmen auch 20 Mitglieder des Neukirchener Reitervereins teil.

 

Vereinschronik (Das Jahr 1924)
Am Freitag, 26.0ktober 1924, schrieb die Zeitung "Der Grafschafter" u.a: "Ein wahres Fest für die ganze evangelische Kirchengemeinde Neukirchen war am Samstag die Einholung des neuen Seelsorgers, des Pfarrers E, Haarbeck. Nach alter, schöner Sitte gab eine große Menge Reiter dem Seelenhirten das Ehrengeleit in seinen zukünftigen Wirkungskreis."
Am Abend dieses Tages trafen sich die Reiter Matthias Fösken, Dietrich FeItgen, Wilhelm und Peter Heckrath, E.Lauken, Heinrich Wyes, Johann Heister, Heinrich Achterrath und Heinrich Bruckhaus, wie konnte es anders sein, in der Wirtschaft von Jakob Heintges beim kühlen Bier.

Hier wurde die Idee geboren, einen Reiterverein aus der Taufe zu heben. Denn alle Reiter waren Reitsport begeistert. Viele hatten, wie Matthias Fösken, bei der Kavallerie gedient, und alle waren von dem Gedanken beseelt, auch der nachwachsenden Jugend Gelegenheit zu geben, sich mit dem Pferde nicht nur bei der Arbeit, sondern auch beim Reitsport zu befassen. Schon vierzehn Tage später fand die Gründung des Reitervereins statt, dessen erster Vorsitzender Dietrich Feltgen wurde. Ihm stand als zweiter Vorsitzender E. Lauken zur Seite.
Matthias Fösken, mittlerweile neunundfünfzig Jahre alt, wurde der erste Ehrenvorsitzende des neuen Reitervereins.

Über die Namengebung war man sich dann auch schnell einig. Johann Heister, Gründungsmitglied, war altgedienter Kavallerist. 1915 kam er zur 9. Kavallerie-Division als Bursche von Friedrich Sigismund von Preußen, einem großen Turnierreiter, der mit seinem Pferd "Heiliger Speer" schon viele Siege erritten hatte. Da er Prinz Friedrich Sigismund von Preußen durch seine Tätigkeit sehr gut kennen und schätzen gelernt hatte, machte er den Vorschlag, dass eben dieser Reiter Vorbild und Schutzpatron für die Jugend des jungen Vereins werden sollte. So kam der Reiterverein Neukirchen zu seinem Namen.
Der erste Übungsplatz für Pferde und Reiter lag an der alten Ziegelei am Averdunks-Hof, heute noch als "Ginsterbüschchen" bezeichnet. Reitlehrer Heinrich Bruckhaus aus Budberg übernahm das Kommando und die Ausbildung der Jungen, die zu erfahrenen Turnierreitern heranwachsen wollten.

Auch ihre Namen sind uns noch bekannt, es waren:
Heinrich Fösken, Wilhelm Engfeld, Johann Eickschen, Heinrich Graf, Peter Heckrath, Dietrich Schrooten,Tilmann Kühnen, Wilhelm Lehnen und Tilmann Wefers.

 

Vereinschronik (Die Jahre 1925-1933)
1925 löste Reitlehrer Kroppen Hermann Bruckhausen ab. Er konnte mit seinen jungen, begeisterten Reitern beim Kampf um die Kreisstandarte gleich Platz vier belegen. In diesem Jahr fand auch das erste eigene Turnier des Vereins in Neukirchen statt. Aber die Ereignisse rissen nicht ab, Im Jahre 1926 war wohl die herausragende Begebenheit die Standartenweihe, durch den Prinzen persönlich. Am 27. Mai 1926 war im "Grafschafter" folgendes zu lesen: "Die Gemeinde Neukirchen hatte am gestrigen Tage einen besonderen Festtag, galt es doch die Feier der Standartenweihe des Reitervereins "Prinz Sigismund von Preußen" Neukirchen und Umgebung würdig zu begehen. Das der Protektor des Vereins, Prinz Sigismund von Preußen, sein Erscheinen zugesagt hatte, gab der Feierlichkeit ein besonderes Gepräge. Man muss es den Neukirchenern lassen, sie wussten für das Fest einen seiner Bedeutung angepassten Rahmen zu schaffen. Schon am frühen Morgen des bedeutungsvollen Tages herrschte in dem sonst so stillen Neukirchen ein fieberhaftes Treiben. Zu Beginn der Veranstaltung hatten sich auf dem Turnierplatz trotz des Wochentages und der vielleicht zu hoch angesetzten Preise ziemlich viel Zuschauer eingefunden…" Dreizehn Reitervereine waren mit ihren Standarten gekommen, zudem noch die Fanfarenabteilung des Reit- und Fahrvereins Repelen, die in Aktion trat, als der Prinz am Festplatz ankam. Die Standarte wurde von dem Divisionspfarrer Harney aus Düsseldorf geweiht und von Prinz Friedrich Sigismund von Preußen, unter den Klängen des Präsentiermarsches, dem Vorsitzenden Dietrich FeItgen überreicht.

Am 7. Juni 1926 konnte die Mannschaft des Reitervereins, nun betreut durch den erfahrenen Reitlehrer Imig, erstmals die Kreisstandarte und den Wanderpreis der freien Bauernschaft gewinnen. Übrigens: Von 1929 - 1934 blieb die Kreisstandarte immer in Neukirchen.
Im Jahre darauf musste das geplante Reitturnier des Vereins ausfallen, da am 6. Juli 1927 Prinz Friedrich Sigismund von Preußen an den Folgen seines Sturzes beim Reitturnier in Luzern starb. 20 Mitglieder des Reitervereins fuhren nach Berlin, um Prinz Friedrich Sigismund von Preußen die letzte Ehre zu erweisen.

Pferde und Reiter wurden durch intensives Training immer besser, sie nahmen an Provinzialturnieren und an Länderkämpfen mit Erfolg teil. Herausragende Reiter waren in den Jahren 1929-1934 Heinrich Fösken, Dietrich Großterlinden, der mit seinem Pferd "Jagdheld" 1929 in Alpen den vom Landrat von Endert gestifteten Wanderpreis für das beste Springpferd der Kreisturniere gewinnen konnte. 1933 gewann Peter Karl Florenz auf "Lille" diesen Wanderpreis.
Den Wanderpreis für den besten Dressurreiter auf den Kreisturnieren gewann 1929 Wilhelm Engfeld, in den folgenden Jahren Peter Carl Florenz zweimal.

 

Vereinschronik (Die Jahre 1934-1956)
1934 wurde der Reiterverein durch den "Gleichschaltungskommissar" der Bezirksregierung in den SA-Reitersturm integriert. Das Vereinsleben und die Reiterei gingen jedoch trotz allem Ungemach weiter. Erst der Ausbruch des zweiten Weltkrieges machte der Reiterei den vorläufigen Garaus. Der .zweite Weltkrieg hinterließ seine Spuren. Erst als der Krieg beendet war versuchten einige Mitglieder des Reitervereins 1946 diesen neu erstehen zu lassen.
Trotz schwerer Zeiten hatte man den Mut 1947 zwei Turniere abzuwickeln, mit großem Erfolg! Der Anfang war gemacht. Man war wieder motiviert, etwas zu unternehmen und zu planen. Das 25jährige Jubiläum stand 1949 an, und damit wurde die Beschaffung einer neuen Standarte spruchreif. Denn Amerikaner hatten während der Besatzungszeit die Standarte als Trophäe in die USA entführt, aber nun sollte anlässlich eines Reit- und Springturniers zum Stiftungsfest, eine neue Standarte geweiht werden. Auch hier sei ein Kuriosum vermerkt.
Von der Militärregierung war es dem Verein untersagt worden, eine Standarte mit Namen "Prinz Friedrich Sigismund von Preußen" zu weihen. So entschloss sich die Vereinsführung, dass die neue Standarte nur den Namen Reiterverein Neukirchen und Umgebung" tragen sollte. Aber man hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Einige Vereinsmitglieder ließen heimlich eine Standarte anfertigen, die den alten Namen trug. Und diese wurde - von allen unbemerkt - am 28.August 1949, dem 25jährigen Stiftungsfest, geweiht.

Folgende Reiter und Reiterinnen ritten nach dem 2. Weltkrieg für den Reiterverein Neukirchen auf vielen Turnieren und brachten viele Siege und Plazierungen mit heim. Dies waren: Dieter und Heinz Fösken, Anneliese Schrooten, Anita Schmude, spätere Frau Kolkmann, Ernst Scheidt, Hermann Achterberg, Gerd Hinkelmann, später kamen noch Gräfin und Graf von Wengersky dazu.

 

Vereinschronik (Die Jahre 1957-1963)
Hier in Luhmühlen belegte er in der Stubbendorf-Vielseitigkeitsprüfung den ersten Platz. Das Jahr 1957 brachte für Dieter Fösken auch den ersten Auslandsstart. Er startete in Kopenhagen mit großem Erfolg in einem internationalen Turnier. Am Ende der Saison nahm er den dritten Platz in der Championatsliste der Vielseitigkeitsreiter ein. Ein Auszug aus einem Artikel der "Rheinischen Post' vom 20. Juni 1964 bringt uns noch einmal die Erfolge von Dieter Fösken nahe.
"Am bekanntesten aus dem Kreis und Vorbild für die Jugend ist Dieter Fösken. Er, der auf dem Pony Frieda 1949 begann und seine ersten Preise mitbrachte, konnte in Köln 1953 bereits mit der goldenen Peitsche ausgezeichnet werden, da er der beste Reiter beim Bundeswettkampf wurde. 1957 belegte Dieter Fösken in der Championatsliste bei den Vielseitigkeitsreitern den dritten Platz. Vor ihm lagen an erster Stelle August Lüdke-Westhues und Rainer Klimke auf Platz 2.

In diesem Jahr nahm er auch in Kopenhagen an einer Military mit großem Erfolg teil. Stolz durfte er auch auf seinen Erfolg in Luhmühlen sein, wo Dieter Fösken durch seine Leistungen mit dem Pferd "Trux von Kamax" den ersten Platz einnahm und viele bekannte Reiter auf ihre Plätze verwies. 1959 und 1961 erhielt er als bester Reiter des Provinzialverbandes den goldenen Steigbügel mit Brillanten. Erfolge reihten sich an Erfolge, u.a. mit den Pferden; Bobby, Trux von Kamax, Hubertus, Lausbub, Fifina, Adular, Wildkatze Feuerperle…"
Aber auch die Amazonen Anita Kolkmann, geb. Schmude mit ihren Pferden "Neptun" und "Fatima" und Anneliese Schrooten mit "Adjudant" waren sehr erfolgreich. Anita Kolkmann wurde 1954 die erfolgreichste Dressurreiterin des Rheinlandes. Anneliese Schrooten und ihr "Adjudant" waren zu einem Begriff geworden. Ob im Springen oder in der Dressur, mit Schleifen kam Anneliese Schrooten immer heim. 1956 nahm sie den 3. Platz der Dressurreiterinnen im Rheinischen Provinzialverband ein.

Graf und Gräfin von Wengersky reihten sich in die Siegerlisten des Verbandes ein und vertraten erfolgreich die Farben des Reitervereins "Prinz Friedrich Sigismund von Preußen" Neukirchen und Umgebung e.V. In den 60-iger Jahren gehörte Friedrich Sigismund Wilhelm Graf Wengersky zu den erfolgreichsten Vielseitigkeitsreitern. Aber auch beim Kampf um die Landesstandarte oder Kreisstandarte war Friedrich Wilhelm Graf von Wengersky immer dabei.

 

Vereinschronik (Die Jahre 1964 bis heute)
1964 bestand der Reiterverein "Prinz Friedrich Sigismund von Preußen" Neukirchen und Umgebung e. V. vierzig Jahre, Aus diesem Grunde veranstaltete der Verein ein großes Jubiläumstumier und richtete es mit vollem Erfolg aus. Dieser Erfolg und die traditionelle Anhänglichkeit" vieler Reiter ließen nun den Entschluss, eine eigene Reithalle zu bauen, reifen. Bald stand es fest: Auf einer Waldparzelle, von Heinrich Fösken kostenlos zur Verfügung gestellt, sollte an der Krefelder Straße die Reithalle nach den Plänen des Architekten Dipl. lng. Helmut Brüggestraß gebaut werden, Da der Finanzierungsplan stimmte, wurde dieser Plan vorangetrieben, um so den Reitern und der Reitsport begeisterten Jugend die Möglichkeit zu geben leistungsmäßigen Anschluss an andere Vereine zu bekommen.
Zum 40-jährigen Jubiläum konnte der erste Vorsitzende, Heinrich Fösken, auch Prinzessin Luise von Preußen begrüßen, die es sich nicht hatte nehmen lassen. aus Bückeburg anzureisen, um das Jubiläum des Vereins, der den Namen ihres Vaters trägt, mit zu feiern.

Nach diesem Jubiläum hatte nur noch der Reithallenbau Prioritäten. Am 13. Februar 1965 wurde der Grundstein gelegt, am 17, März 1965 stand das Gerüst der Reithalle, am 24, August 1965 feierte der Reiterverein das Richtfest seiner neuen Halle, die am 10. Dezember 1965 eingeweiht wurde. Prinzessin Luise von Preußen, als Tochter des Mannes, dem diese Halle gewidmet war, nahm den symbolischen Akt der Namensgebung vor. Beim vereinseigenen Turnier Ende Dezember 1965 bahnt sich ein Generationswechsel an. Das Bild auf der folgenden Seite mag dieses dokumentieren:

Zur erfolgreichen Jugend, die immer mehr Schleifen von den Turnieren mitbrachten, zählten u.a. Ursula Deisenroth, BärbeI Brüggestraß. Jürgen Scharf und Karl-Heinz Florenz.
Später wurde der Kreis der Reiter durch Anita Dannhorn und Dr. Konstantin Graf von Wengersky erfolgreich erweitert.
"Wyschuk" war bis zu seinem 18. Lebensjahr erfolgreich im Turniersport eingesetzt. Dann bekam er bis zu seinem 26. Lebensjahr sein wohlverdientes Gnadenbrot.

Auch das Schwesternterzett der von Wengersky, lIona, Alexandra und Daniela, vertraten den Verein erfolgreich bei so manchen Vielseitigkeitsprüfungen. Der Namensgeber des Reitervereins Prinz Friedrich Sigismund von Preußen war in den 20iger Jahren ein sehr erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter. Und so hat die Vielseitigkeitsreiterei auch heute noch ihren festen Platz im Vereinsleben.
Im Herbst 1965 folgte die Reiterjugend des Reitervereins und des Kreisverbandes Moers unter Leitung von Dieter Fösken und Anne Brüggestraß einer Einladung der Societé Hippique de Mulhouse nach Frankreich. Sie verlebten dort zehn herrliche und informative Tage mit den französischen Reitern.
Alle Turniere und Erfolge, Fuchsjagden, Lehrgänge, Seminare und "Tage der offenen Tür" die im Laufe der Jahre folgten hier zu nennen, wurde den Rahmen des Buches sprengen. Aber eins sei vermerkt, es waren viele, sehr viele.

Ehe ich zum Schluss komme, möchte ich noch das 70-jährigeJubiläum im Jahre 1994 erwähnen, an dem ein großes Herbstturnier stattfand, dessen Schirmherrin Prinzessin Luise von Preußen war.